Seife vs. Desinfektionsmittel

Wir finden sie überall: An der Wand angebrachte Flaschen mit Flüssigkeit, von drei Seiten umhüllt von einer Metallschicht. Oben schließt sich ein Pumpsystem samt Hebel an. Ja, die Rede ist von Spendern mit Seife und Desinfektionsmitteln. Aber: Braucht es wirklich beides?

Zuletzt aktualisiert am 22. August 2026 von Isabell

Ist Seife Desinfektion?

“Seife ist ein Desinfektionsmittel.”

Über diesen Satz stolperte ich letztens, als ich in einem Buch über Bakterien schmökerte. Hoppla. Moment. Oh ha, echt? Alles in mir schrie mich, das Buch, alles um mich herum förmlich an. Denn so viel kann ich schon am Anfang dieses Beitrages vorwegnehmen: Nein, Seife ist KEIN Desinfektionsmittel. Warum, das schauen wir uns mal genauer an.

Der erste Unterschied zwischen Seife und Handdesinfektionsmittel ist bereits der Grund, warum wir beides verwenden und warum beides nebeneinander existiert. Seife entfernt groben Schmutz auf unserer Haut. Wir wollen, dass unsere Hände sauber werden. Neben Schmutzpartikeln und Dreck werden ganz nebenbei auch Bakterien auf unserer Haut entfernt.

Wenn wir unsere Hände desinfizieren, verfolgen wir ein anderes Ziel: Bakterien und Viren, die sich auf unserer Haut tummeln, sollen nicht nur entfernt, sondern auch abgetötet werden. Gerade in der Winterzeit und wenn wir uns zwischen erkälteten Menschen bewegen, kann es hilfreich sein, Bakterien, die uns krankmachen können, rechtzeitig unschädlich zu machen.

Seife reinigt unsere Hände von Schmutz und Bakterien

Dass Seifen und Desinfektionsmittel unterschiedliche Strategien verfolgen, erklärt sich, wenn wir uns die Bestandteile mal genauer anschauen.

Seife besteht aus Fetten bzw. Ölen und einer Lauge. Diese Komponenten sorgen dafür, dass Schmutzpartikel und ja, auch Bakterien, von Schaum umhüllt das Rohr hinunter in die Kanalisation gespült werden. Damit das gut funktioniert, müssen wir unsere Hände mit ausreichend Wasser nass machen. Die Seife darf wunderbar schäumend für mindestens 20 Sekunden zwischen unseren Händen und Fingern hin- und hergeschoben werden, bevor dieser mit Bakterien und Schmutz angereicherte Schaum abgewaschen wird. Danach gründlich abtrocknen, vor allem zwischen den Fingern (schließlich wollen wir den lieben Pilzen keinen Raum geben, um sich auszubreiten).

Dass wir Seifen in unseren Bädern haben und sie auch auf öffentlichen Toiletten zu finden sind, hat also einen ganz praktischen Grund: Die Bakterien, die wir vom Klo, Klopapier oder unseren eigenen Hinterlassenschaften auf unseren Händen haben, sollen möglichst auch dort bleiben. Wenn doch nur die Seife auf öffentlichen Toiletten auch so regelmäßig benutzt werden würde…

Desinfektionsmittel reduzieren die Keime auf unserer Haut

Eine ganz andere Strategie verfolgen Desinfektionsmittel. Während wir Seifen schon eine Weile nutzen, sind Desinfektionsmittel uns noch gar nicht so lange bekannt. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts kamen Ärzte wie der schottische Chirurg Joseph Lister auf die Idee, Hände vor einer Operation speziell zu behandeln. Er hegte den Verdacht, dass das Überleben maßgeblich vom Behandler und dessen Sauberkeit der Hände abhing [1].

Das oberste Ziel eines Handdesinfektionsmittels: Die Keime auf der Haut abzutöten. Und das geschieht durch zerstören der Bakterienzelle an sich. Dies wird durch Alkohole als Hauptbestandteil von Handdesinfektionsmitteln möglich.

Alkohole verändern die Oberfläche der Bakterienhülle, machen sie beispielsweise löchrig [2]. Das Bakterium ist nicht mehr in der Lage, seine Zellarchitektur aufrechtzuerhalten, zu groß kann der Schaden dieses unerwarteten Angriffs sein. Was folgt, sind sterbende Bakterien, die auf unserer Haut zurückbleiben. Sofern die richtige Konzentration des Desinfektionsmittels genutzt wurde, sind diese Bakterien nicht mehr vermehrungsfähig.

Wie auch bei der Seife gilt für Handdesinfektionsmittel: Sie können nur optimal wirken, wenn genügend Desinfektionsmittel die gesamte Handoberfläche benetzt und mit der richtigen Technik für mindestens 30 Sekunden verteilt wird. Wirksam ist eine Handdesinfektion zudem nur, wenn die Hände frei von grobem Schmutz sind.

Wie effektiv sind Händewaschen und desinfizieren?

Händewaschen reicht vollkommen aus, wenn wir ins alltäglichen Situationen Schmutz entfernen und Bakterien reduzieren wollen. Sofern es keine pH-hautneutrale Seife ist, greifen Seifen auch immer den Säureschutzmantel an. Die enthaltene Lauge ist ungleich des pH-Wertes unserer Haut, weswegen sich unsere Haut danach trocken anfühlt. Deswegen: Hände waschen wann immer nötig und anschließend mit Eincremen dafür sorgen, dass sich der Säureschutz wieder regenerieren kann. Handdesinfektionsmittel hingegen enthalten hingegen meist bereits rückfettende Substanzen.

Ach ja: Schon bloßes Händewaschen reduziert die Bakterien (und andere Keime) auf der Haut um etwa 99 %. Im Alltag also mehr als ausreichend. Eine Händedesinfektion ist nochmal effektiver, denn hier werden etwa 99,9 % der Keime abgetötet.

Eine Händedesinfektion ist vor allem in der Erkältungszeit sinnvoll. Viele schniefende Menschen, die alle möglichen Gegenstände in unserer Umgebung anfassen – gerade, wenn kein Waschbecken in der Nähe ist, sind die kleinen Handdesinfektionsmittel an und in unseren Taschen super hilfreich. Sofern die Hände nicht vor Dreck triefen.

Literatur zum Schmökern

[1] Deutsches Ärzteblatt – Berühmte Entdecker von Krankheiten: Joseph Baron Lister, der Herr der Keime (Ausgabe 46/2019)

[2] Maillard and Pascoe, 2023, nature reviews microbiology: Disinfectants and antiseptics – mechanisms of action and resistance

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